• „Ohne Vision verkommt ein Volk“

    aus dem Leitbild der katholische Kirchengemeinde Heilig Geist

Zum 13. Sonntag im Jahreskreis

Die Gedanken von Pfarrer Schmid stellen wir Ihnen auch als Hörfassung zur Verfügung. Musikalische Gestaltung: Susanne Merkelbach


Sein Kreuz auf sich nehmen

Wie oft passiert sowas: Wir schauen irgendwohin und nehmen doch nicht so richtig wahr, was da ist oder geschieht. Wir sehen und sehen doch nicht.

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Hören wir hierzu ein anschauliches Beispiel, das einmal jemand einer Journalistin erzählt hat. Dabei geht es um ein uns bekanntes religiöses Zeichen, das Kreuz: „In unserem Kulturraum sind sehr oft Kreuze zu sehen. D.h. nicht nur das Kreuz, sondern Christus am Kreuz. Es hängt in Wohnzimmern und auch Gaststätten an der Wand, es steht auf Schreibtischen. Selbstverständlich findet man es in Kirchen. Und es gibt Menschen, die es als Anhänger an einer Kette um den Hals tragen. Da hängt also ein Mann, der ans Kreuz genagelt ist – eine furchtbare Folter. Er hängt da, und man hat den Eindruck, niemand sieht es, niemand nimmt wahr, was diese
Skulptur zeigt: dass hier einer schrecklich leidet. Ich glaube wirklich“, fuhr der Mann dann fort, „dass die meisten Christen in der westlichen Welt dieses Kreuz nie gesehen haben. Es ist fast überall und sie haben es nie gesehen“.

Mit diesem Beispiel wollte der Erzähler nicht speziell auf religiöses Verhalten eingehen, vielmehr wollte er dazu anregen, in allen Bereichen des Lebens genauer hinzuschauen und aufmerksamer zu sein. Und dass dieses Anliegen gerade im Bereich der Religion und des Glaubens keine Nebensächlichkeit ist, zeigt ein Blick in die Bibel. Schon 700 Jahre vor Christus predigt der Prophet Jesaia: „Sie sehen, aber sie erkennen nicht. Sie hören, und sie verstehen nicht“. Und in der Tradition des Jesaia verwendet Jesus von Nazareth die gleichen Worte, als er über Leute spricht, die sehen und doch nicht sehen; die hören und doch nicht hören.

Das ist nicht nur auf seine Gegner gemünzt gewesen, die ihn nicht verstehen konnten oder erst gar nicht verstehen wollten. Jesus hat da durchaus auch die im Blick, die zu ihm gehören und zu ihm halten, die aber im Vordergründigen hängen bleiben und für das, worauf es ihm letztlich ankommt, wenig Verständnis haben. Sie sehen und sehen doch nicht; sie hören und hören doch nicht. Und wenn Jesus das sagt, gibt es damit nicht eine neutrale Beschreibung der Lage wieder. Sicherlich sind diese Worte auch nicht als sarkastischer oder resignativer Kommentar zu verstehen, im Sinne von ‚So send halt d´Leut‘. Nehmen wir das vielmehr als Anregung für eine jede und jeden Einzelnen, im Glauben aufmerksam zu bleiben, Augen und Ohren aufzumachen und genauer hinzuschauen und hinzuhören, damit wir das Wesentliche und den Sinn der Botschaft Jesu in den Blick
bekommen und im Blick behalten.

In der vorhin erwähnten Beobachtung des unbekannten Mannes hat dieser das Kreuz als Beispiel genommen. Das Motiv vom Kreuz taucht auch im heutigen Evangelienabschnitt auf. Da heißt es: „ Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert“. Zugegeben: Wenn man dieses Wort so unvermittelt hört, können sich einem die Haare sträuben und einiges im Innern sich sperren: Ja, soll denn das Leben des
Glaubens etwa eine Plagerei und eine Selbstquälerei sein? Das kann´s doch wirklich nicht sein.

Doch atmen wir mal durch und sehen wir weiter und tiefer. Denn in diesem Zusammenhang spricht Jesus ja auch von etwas Verheißungsvollen und Erfüllenden, nämlich dass wir so bei ihm das Leben finden. Bleiben wir also nicht bei dem ersten etwas verstörenden Eindruck hängen, den das genannte Wort auf uns macht. Schauen wir etwas genauer hin und schauen wir zu, welchen Sinn es uns eröffnet, wenn wir es nicht losgelöst von dem betrachten, der es uns zusagt, nämlich von Jesus selbst. Erst von seinem Leben und von seinem Wirken her können wir sein Wort besser verstehen und begreifen. Sehen wir also Zunächst einmal auf IHN:

Jesus hat sich nicht in eine Traumwelt eingenistet. Den oft unangenehmen, verstörenden oder gar zerstörerischen Realitäten des Lebens ist er nicht ausgewichen; er hat nicht gemieden, was das Leben belastet, erschwert, kaum mehr erträglich oder gar unmöglich macht. Er ist denen nahe gekommen, mit denen es das Leben nicht gut gemeint hat: Armen, Kranken, Gebrechlichen, Ausgegrenzten ebenso wie Sündern, Bösartigen, Schuldiggewordenen und von Sinnlosigkeit angenagten. Jesus kommt zu all den Menschen, die ein Kreuz zu tragen haben und mit diesem mehr oder weniger schlecht damit zurechtkommen, vielleicht aber gar daran zu
zerbrechen drohen. Zu ihnen kommt er, um zu helfen, zu retten, zu heilen und das Negative in ihrem Leben zu verwandeln.

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 Achten wir bei dem heilenden und befreienden Wirken Jesu aber auf Folgendes: Wenn wir nur auf Jesus schauen und nicht auch auf die von ihm Betreuten, nehmen wir nur die Hälfte wahr. Denn das Wirken Jesu konnte eine heilsame Wirkung nur zeigen, wenn diese ‚mitgezogen‘ sind. Ohne ihre Eigenbeteiligung ging das nicht. Sondern nur, indem die betroffenen Personen das Kreuz, das sie zu tragen hatten, nicht verdrängt, sondern auf sich genommen haben und damit zu Jesus gekommen sind. Erst so konnte die heilende und erlösende Kraft Jesu wirksam werden. Deshalb lässt sich auch andersherum sagen: Wer das Negative seines Lebens ausblendet, wer sich immer nur als einen darstellt, bei dem alles toll und perfekt und alles in Butter ist – dem kann auch Jesus nicht helfen. Denn er will es wohl auch nicht.

Und wer es einem Menschen leicht und billig machen, d. h. wenn er ihm die Schwere des Kreuzes ersparen möchte, hilft ihm damit nicht wirklich. Von Jesus kann ihm nur geholfen werden, wenn er den schmerzhaften, leidvollen und negativen Realitäten nicht verdrängt, sondern sich ihnen stellt, sie auf sich nimmt und sie hoffnungsvoll zu Jesus trägt. Bei diesem und durch ihn kann aber das Leiden an seinem Kreuz verwandelt werden, nämlich von der Kraft, die auch das Kreuz Jesu in ein neues Leben verwandelt hat.

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Darum also fordert Jesus eine jede und einen jeden auf, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Dabei geht es nicht um Selbstquälerei und um bloßes Zähne zusammenbeißen. Vielmehr ist das ein Weg, das Zerrissene und Verwundete in unserem Leben zu heilen und das Dunkle und Abgestorbene in uns in Licht und neues Leben zu verwandeln. Darin liegt der Sinn der Rede Jesu vom Kreuz auf sich nehmen und ihm damit zu folgen.
Und das Zutrauen in die verwandelnde und erneuernde Kraft des menschgewordenen Gottes ermöglicht es auch uns in die Liedzeile des Angelus Silesius mit einzustimmen, die da heißt: „So lasst uns denn dem lieben Herrn mit unserem Kreuz nachgehen und wohlgemut, getrost und gern in allen Leiden stehen“.

Amen.

Eine Besinnung

von Jörg Zink

Ich wünsche dir nicht ein Leben ohne Entbehrung, ein Leben ohne Schmerz, ein Leben ohne Störung.
Würde dann nicht etwas Wichtiges fehlen in deinem Leben?
Ich wünsche dir aber, dass du bewahrt sein mögest an Leib und Seele.
Dass dich einer trägt und schützt und dich durch alles, was dir geschieht, deinem Ziel entgegenführt.

Dass du unberührt bleiben mögest von Trauer,
unberührt vom Schicksal anderer Menschen,
das wünsche ich dir nicht.
So unbedacht soll man nicht wünschen.

Ich wünsche dir aber, dass dich immer wieder etwas berührt,
das ich dir nicht so recht beschreiben kann.
Es heißt „Gnade“.
Gnade ist ein altes Wort, aber wer sie erfährt,
für den ist sie wie Morgenlicht.

Man kann sie nicht wollen und nicht erzwingen,
aber wenn sie dich berührt, dann weißt du: Es ist gut.

 

Die aktuellen Gottesdiensttermine finden Sie hier: aktuelle Gottesdienste

Regelmäßige Gottesdienste

10.15 Uhr

Heilig Geist Kirche, Markgröningen

Kinderkirche im Gemeindezentrum, Markgröningen (alle 4 Wochen)

18.00 Uhr
italienischer Gottesdienst

Bitte haben Sie Verständnis, dass Werktagsgottesdienste und Gottesdienste in Unterriexingen aufgrund der Corona-Pandemie momentan nicht stattfinden können. 

 

 

In der Coronazeit müssen neue und kreative Wege gefunden werden,
die Gläubigen der Kirchengemeinde zu erreichen.
So entstand dieses Projekt.
Andachten werden aufgezeichnet und auf der Internetseite der Kirchengemeinde veröffentlicht.
Zusätzlich wurden die Andachten musikalische gestaltet.
Hier finden Sie ältere Andachten zum Nachhören. 

Hörandachten (Archiv)

Ein König der etwas anderen Art

Der Einzug des Jesus von Nazareth in Jerusalem

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Georg ter Voert.

Ein Mensch wie Brot

Das Letzte Abendmahl des Jesus von Nazareth

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Georg ter Voert.

Das Leiden ist der Preis der Liebe oder Gottes Passion für uns.

Das Leiden und Sterben des Jesus von Nazareth

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Georg ter Voert.

Die rettende Tat unseres Gottes

Die Auferstehung des Jesus von Nazareth, des Sohnes Gottes

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Familie ter Voert.

9:51 – 10:38: Auszug aus Dvořák Messe D-Dur, gespielt vom Prague Symphony Orchestra © Rebeat GmbH

Gott ist ein Anfänger

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Natascha und Paul Findeis

Von der Kraft der Stille

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Hubert Großmann und Hans Pflugfelder

Jeder Sonntag ist ein kleines Ostern

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Susanne Merkelbach

Besinnliche und anregende Gedichte zu Evangelien der Osterzeit

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Luca Hertfelder

Die Tage zwischen Ostern und Pfingsten

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Susanne Merkelbach

Du bist dran

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Familie ter Voert

Vom Wirken des Heiligen Geistes

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Georg ter Voert

Leben mit dem dreieinigen Gott

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Orgel: Susanne Merkelbach
Gesang: Iris Götz

Von der Freude an der Schöpfung

Sprecher und Text:
Pfarrer Winfried Schmid

Musikalische Gestaltung:
Susanne Merkelbach

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